Geschichte
Die Geschichte Destructions beginnt im Jahre 1983: Der Gitarrist Michael "Mike" Sifringer sucht einen Basser, nachdem bereits der Sänger Ulf und der Drummer Thomas "Tommy" Sandmann aufgetrieben worden sind. Fündig werden sie in der nicht gerade mit vielen Metallern gesegneten Umgebung Weil am Rheins in Marcel Schirmer, später besser bekannt als Schmier. Man kennt sich bereits von miteinander verbrachten
Wochenenden in einer Wanderdisco. Einziges Problem: Dieser hat noch nie zuvor ein Bass in Händen gehalten. Dies hindert Marcel jedoch nicht, in die Band einzusteigen. Mike zeigt ihm einfach ein paar Griffe auf seinem neu erworbenem Bass und schon war ein neuer Bassspieler geboren. In dieser Phase agiert die Band noch unter dem Namen „Knight Of Demon“, doch die Mitglieder merken bald, dass dieser Name nicht unbedingt zu ihrer Musik passt. Eine alternative wird im Namen „Destruction“ gefunden.
Erste Fortschritte lassen nicht lange auf sich warten und so steht auch bald schon der Termin für die Aufnahme des ersten Demos „Bestial Invasion Of Hell“. Doch nur 2 Wochen vorher gibt es Schwierigkeiten - Ärger zwischen Mike und dem Sänger wegen einer Frau, in Folge dessen der Vokalist das Weite suchen muss. Da die Aussicht auf einen neuen Sänger in so kurzer Zeit sehr schlecht ist und man der Meinung ist, Marcel ist mit seinem Bass allein etwas unterfordert, wird er einfach dazu gezwungen, die Vocals zu übernehmen.
Da alle mit diesem Ergebnis sehr zufrieden sind, pinseln sich die Bandmitglieder das Logo auf ihre Kutten. Marcel zieht seine Schablone jedoch viel zu früh ab, so dass die ganze Farbe verläuft und
ver“schmier“t. Und, Holla die Waldfee, schon hatte der gute Marcel seinen neuen Namen, mit dem er von nun an von allen Leuten angesprochen wird: „Schmier“.
Im Jahre 1984 findet dann der erste Live-Auftritt in Altenessen zusammen mit Sodom, Iron Angel and Tormentor (heutige Kreator) statt.
Im diesen Jahres kommt die erste wirkliche Scheibe raus - „Sentence Of Death“ war genau das, wonach Metal-Fans gelechzt haben und so ist es auch kein Wunder, dass Destruction nur kurze Zeit später im Metal Hammer zu den Newcomern des Jahres gewählt wurden. In den USA kam die Scheibe über Metal Blade und mit einem anderen Cover raus. Grund: Den
Amis gefiel die alternative Version besser. Destruction selbst konnten hieran nichts ändern.
Ein Jahr später geht es für ein paar Konzerte über den großen Teich nach Kanada. Das größte hiervon ist beim World War III-Festival zusammen mit Nasty Savage, Celtic Frost, Possessed, Voivod und Hallow’s Eve. 3000-5000 Zuschauer kommen hier in den Genuss der deutschen Thrasher.
1985 kommt dann mit „Infernal Overkill“ das erste Album, dass von den Metal Hammer-Lesern zum Album des Jahres gekürt wird.
Auf dieses Album folgt eine Tour durch Deutschland im Vorprogramm von vier ganz großen – Slayer befinden sich gerade auf ihrer Hell Awaits-Tour und spielen in Deutschland etwa 10 mal.
1986 kommt dann „Eternal Devastation“ raus, das teilweise schon eine etwas technischere Ausrichtung bekam und ebenfalls wieder großartig aufgenommen wird.
Nach all diesem Erfolg und den haufenweise positiven Reaktionen der Fans wird die Band etwas zu groß für Tommy. Wie alle anderen Mitglieder auch, hatte auch er eine abgeschlossene Berufsausbildung und entschied sich lieber für eben diesen sicheren Weg und arbeitet noch bis heute als Polizist.
Und wieder steht die Band vor einem personellen Problem, vor allem da die Termine für die Eternal Devastation-Tour bereits stehen und die ersten Konzerte gespielt sind. Als Aushilfe hierfür bietet Christian "Chris Witchhunter" Dudek von Sodom seine Drumdienste an und trommelt so bis ans Ende dieser Tour.
Ebenfalls neu dabei, allerdings als festes Bandmitglied, ist von nun an Harald "Harry" Wilkens –
zuständig für die zweite Gitarre.
Am Ende der Tour findet sich mit Oliver "Olly" Kaiser, ein im Jazz beheimateter Schlagzeuger, ein neuer Mann hinter den Kesseln.
In dieser neuen vier-Mann-Konstellation nimmt man dann 1987 die „Mad Butcher“-EP mit der kultigen Bandhymne auf. Der Song ist die Neuauflage eines Destruction-Klassikers. Außerdem gibt es mit „The Damned“, im Original von den Plasmatics, die erste Coverversion der Bandgeschichte. Beim Track „The Last Judgement“ kann „Tonleiter-Fetischist“ (Zitat Schmier) Harry dann beweisen, was er so drauf hat.
Und wieder vergeht nur ein Jahr, bis das neue Album „Release From Agony“ in die Läden kommt. Diese Scheibe glänzt durch haufenweise technische Spielereien und beweist die Fertigkeiten der Instrumentalfraktion. Das Problem hieran: Dadurch, dass die Platte so voll gestopft ist, bleibt nur sehr wenig Raum, damit Schmier sein Organ richtig malträtieren kann. Trotz aller Bedenken des Sängers kommt die Scheibe so raus und findet vor allem in den USA und Japan viele Freunde. Hierzulande setzt es hingegen Kritik.
Den Übergang der Jahre 1987 zu 1988 erlebt die Band auf Tour, in deren Rahmen auch die Live-Scheibe „Live - Without Sense“ aufgenommen wird. Die Reise findet zu großen Teilen im Vorprogramm von Motörhead statt. Als der Autor dieser Zeilen einmal die Chance hatte, mit Lemmy, Sänger von Motörhead, ein paar Worte zu wechseln, hat er die Chance genutzt und Lemmy auf eben diese Tour und Destruction angesprochen. Seine Antwort: “Ou, yeah, I remember Schmier. He’s a really cool guy!“
Auf diese Tour folgt von 1988 bis 1989 ein Abstecher in die USA, wo es gilt, 2 ½ Monate zusammen mit den Cro-Mags vor einem Hardcore-Publikum zu bestehen.
1989 geht es dann wieder ins Studio für die neue Scheibe „Cracked Brain“. Bereits die ersten Demos zeigen eine extrem technische Richtung. Schmier passt dies nicht, jedoch stand er mit seiner Meinung im Bandgefüge allein auf weiter Flur. Und so kommt es zu einer Reaktion, zu der es besser nicht hätte kommen sollen: Die Band wirft Schmier aus der Band.
Mitten in der Aufnahmesession in einem extrem teuren Studio steht man wieder einmal unter Zeitdruck und einem personellen Mangel. Ein Vorschlag kam von der Plattenfirma: Sie meinen Robert Cornella von Assassin wäre der richtige Mann. Jedoch ist die Band mit seinen Leistungen nicht zufrieden. Schlussendlich wird Cracked Brain dann von Andre Grieder von Poltergeist eingesungen, dessen Stimme man später auch auch als Backing-Vocals auf Metal Discharge vernehmen werden kann.
Für eine Tour nach den Aufnahmen zusammen mit Sodom sucht man wieder einen Sänger. Es kommt zu Gesprächen mit Flemming Ronsdorf von Artillery, jedoch wird die Tour abgesagt ein.
Erst 1994 läßt Destruction wieder etwas von sich hören, allerdings ohne Plattenfirma im Rücken, also als Eigenproduktion, wird die EP „Destruction“ raus gebracht. Neben Mike und Olly spielen auf dieser Scheibe noch Christian Engler am Bass, der teilweise auch schon auf „Cracked Brain“ zu hören war, und Michael Piranio an der Gitarre. Eingesungen wird die Scheibe von Thomas Rosenmerkel. Die letzten beiden Musiker spielten zuletzt zusammen mit einem späteren Ex-Destruction-Drummer, Sven Vormann, bei der Band Jesus Chrysler Superskunk.
Harry spielt zu diesem Zeitpunkt auch nicht mehr bei Destruction und hat heute eine Anstellung als Video-Producer beim Schweizer Fernsehen.
Mit diesen Mitglieder werden im Jahre 1995 und 1998 noch die EP „Them Not Me“ sowie das Album „The Least Successfull Cannonball“ eingetrümmert.
All diese Scheiben sind nicht sonderlich erfolgreich, doch macht Mike weiter sein Ding. Aber je länger der Split von Schmier zurückliegt, desto größer werden die Anfragen an den ex-Sänger und Mike, doch endlich wieder zusammenzufinden. Sowohl Presse als auch Fans drängen immer mehr und Anfang 1999 machen sich bereits erste Gerüchte breit. Aufgrund von vertraglichen Angelegenheiten sind Schmier und Mike ein Jahr zuvor gezwungen, sich an einen Tisch zu setzen. Aufgrund der Gerüchte gibt es sogar schon erste Angebote von großen Festivals, bei denen Destruction im alten Line-Up auftreten sollen.
Beide denken sich, dass man es versuchen sollte und so trifft man sich heimlich bei ein paar Bierchen im Proberaum. Man merkt, dass es klappen könnte und so werden die Angebote für das „Bang Your Head“, „Wacken Open Air“ sowie „With Full Force“ wahrgenommen, bei denen auch ein neuer Mann am Drumkit arbeitet. Sein Name: Sven Vormann. Olly ist zu diesem Zeitpunkt nicht mehr in der Band. Er ist heute Professor der Musikwissenschaften und stellt seine Trommeldienste einer Jazz-Fusion-Band zur Verfügung.
Die Resonanz ist riesig und nach dem Auftritt beim With Full Force fleht Peter Tägtgren auf Knien, die Reunion-Scheibe in seinem Abyss-Studio in Schweden produzieren zu dürfen. Ein solches Angebot kann man selbstverständlich nicht ablehnen und so erscheint im Jahre 2000 das Album, auf das Fans seit 10 Jahren warteten: „All Hell Breaks Loose“. Vorausgegangen ist ein Streit vieler Metallabels, die die Band unter ihre Fittichte nehmen wollten. Am Ende hat aber Nuclear Blast das beste Angebot. So bringt also das Donzdorfer Label die Reunionplatte raus. Ein Album, das sowohl „back to the roots“ ist, ebenso aber auch frischen Wind in die Thrash-Welt bringt. Die Scheibe findet riesigen Anklang in allen Metal-Medien und kommt bei den Fans so gut an, dass man dem oft als Tod bezeichneten Thrash Metal bereits eine Wiedergeburt zusagt.
Im Jahr 2001 erscheint dann die wieder von Tägtgren abgemische Scheiblette „The Antichrist“, die die euphorischen Reaktionen des Vorgängeralbums noch einmal zu toppen weiß.
Am Ende dieses Jahres startet die lang erwartete Tour zusammen mit Sodom und Kreator. Das Dreigestirn des deutschen Thrash Metal ist an jedem Auftrittsort gleichberechtigt, weshalb jeder Band die gleiche Spielzeit und wechselnder Headlinerstatus zusteht.
Die beiden Scheiben „All Hell Breaks Loose“ und „The Antichrist“ mit ihrer relativ modernen Produktion waren das richtige zur richtigen Zeit, doch beim dritten Album der wieder erstarkten Destruction entscheidet man sich, sowohl Studio, Produzent als auch Aufnahmetechnik zu ändern. Man greift auf V.O. Pulvers Little Creek Studio in der Schweiz zurück und arbeitet ausschließlich auf analoger Basis. Das Album wirkt roh und ungezügelt. Außerdem findet ein weiterer personeller Wechsel statt: Drummer Sven ist das ewige Touren satt und steigt deshalb aus. Nachfolger wird Marcus "Marc" Reign – eine Empfehlung aus dem Freundeskreis Schmiers. Man traf sich beim With Full Force-Festival, und war sich sofort sympathisch.
Kurz auf dieses Album folgt ein Stück, das die Destruction-Geschichte zusammenfasst und in das die Band jede Menge akribischer Kleinarbeit gesteckt hat: die erste DVD „Live Discharge“, auf der sich ohne Ende Live- und Hintergrundmaterial findet.
2005 geht es dann es dann für die vierte Scheibe nach der Reunion ins Studio - besser gesagt in die Studios, denn "Inventor Of Evil" wird in Studios in Deutschland, Schweden und der Schweiz aufgenommen. Als Produzenten finden sich beide Männer ein, die sich jeweils bei den ersten drei großartigen Alben nach der Reunion ihre Finger im Spiel hatten: V.O. Pulver, der Produzent des Vorgängers und Peter Tägtgren, dem Produzenten der ersten beiden Werke. Besonders letzterer muss für Destruction eine besonderes Ausnahme gemacht haben und einen wahren Freundschaftsdienst verrichten, denn eigentlich hat der gute Peter seinen Produzentenjob bereits seit geraumer Zeit an den Nagel gehängt.
Ein besonderes Schmankerl gibt es auch für die Fans: Nicht weniger als 9
große Namen aus dem Heavy und Metal haben sich eingefunden, um neben Schmier die Stimmbänder in Wallung zu bringen. Im Song "The Alliance Of Hellhoundz" erheben neben natürlich Peter Tägtgren auch noch Biff Byford von Saxon, Peavy Wagner von Rage, Doro Pesch, Shagrath von Dimmu Borgir, Mark Osegueda von Death Angel, Björn "Speed" Strid von Soilwork, Paul Di Anno, ehemals bei Iron Maiden und Messiah Marcolin, Ex-Candlemass die Stimme und appellieren für mehr Zusammenhalt innerhalb der Szene. Den Wahrheitsgehalt dahinter erkennt man alleine daran, aus welch unterschiedlichen Richtungen die Sänger und auch Sängerin stammen.
Andere Gäste, wie etwa Udo Dirkschneider von U.D.O, Warrel Dane von Nevermore, Cronos von Venom und Kai Hansen von Gamma Ray mussten leider absagen.
Der Text des Songs ist gespickt mit Zitaten bedeutungsvoller Songs des Metalsparte.
Im Oktober und November des Jahres 2006 werden die größten Hits aus der Zeit vor dem Split mit Schmier sowie der Song "Cracked Brain" und noch zwei neue Lieder aufgenommen. Die ganz besondere Best Of hört auf den passenden Namen "Thrash
Anthems". Als besonderer Gast ist wie bereits auf dem Album zuvor Harry Wilkens zu Gast, der bei "Release From Agony" & "Cracked Brain" seine Gitarrenkünste zum Besten gibt. Raus kommt die Scheibe Anfang 2007 und enthält mit "Profanity" sowie "Deposition (Your Heads Will Roll)" zwei gänzlich neue und recht ungewöhnliche Lieder.
Das Highlight in diesem Jahr ist sicherlich das Konzert beim Wacken Open Air, wo neben wie gewohnt zahlreichen Gästen bei "The Alliance Of Hellhounds" auch noch einige einige Ex-Mitglieder begrüßt werden dürfen. Am Ende des Gigs spielt man mit gleich drei Schlagzeugern und auch Harry zeigt live, dass er nichts von seinen Fähigkeiten eingebüßt hat.
Der Rest des Jahres besteht in erster Linie aus Konzerten.
Im Jahr 2008 geht es ins Studio um wieder ein neues Album aufzunehmen, das D.E.V.O.L.U.T.I.O.N. getauft wird, wobei jeder Songtitel mit einem Buchstaben des Albumtitels anfängt. Was die Gäste betrifft darf der Fan wieder einige große Namen begrüßten - dieses mal sind es nicht Sänger, wie bei "Inventor Of Evil", sondern Gitarristen. Wie gewohnt hat auch Harry wieder seine Finger im Spiel. Des Weiteren sind mit Gary Holt von Exodus, Vinnie Moore von UFO und Jeff Waters von Annihilator mal wieder ein paar ganz große Namen dabei, die ihre Künste zum Besten geben.
Veröffentlicht wird die Scheibe am 29. August 2008.
